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Vom Lagerhaus zum Zuhause

Mit der Umgestaltung des Centre Ulysse wird ein ehemaliges Lagergebäude in Luxemburg-Bonnevoie zu einem zeitgemäßen Wohn- und Betreuungszentrum für Menschen in Wohnungsnot. Das Gebäude wurde bereits in den  1990ern zu einer Notunterkunft umgebaut und dient seitdem der Unterbringung wohnungsloser Menschen.

Die bisherige Struktur mit Mehrbettzimmern entspricht jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen an Wohnqualität, Privatsphäre und Betreuung. Mit dem neuen Konzept nach dem Prinzip „Housing First“ wird die bestehende Nutzung grundlegend neu organisiert. An die Stelle der gemeinschaftlichen Schlafräume treten individuelle Apartments mit eigenem Duschbad und eigener Kitchenette. Vorgefertigte Holzmodule werden in die bestehende Gebäudestruktur integriert und schaffen eine neue Wohnstruktur innerhalb des ehemaligen Lagergebäudes.

Dabei bleibt der Bestand weitgehend erhalten. Tragstruktur und Gebäudevolumen werden weitergenutzt und durch gezielte Eingriffe an die neue Nutzung angepasst. So verbindet der Umbau den Erhalt vorhandener Bausubstanz mit einer neuen räumlichen und sozialen Qualität.

Bestand weiterdenken

Aus Bestand wird Zukunft

Der Umbau beginnt mit der Entkernung des Gebäudes: dabei wird die vorhandene Tragstruktur freigelegt und zum Ausgangspunkt der neuen Architektur. Offen geführte technische Installationen und robuste Materialien bewahren die industrielle Identität des Ortes und machen die Geschichte des Gebäudes weiterhin ablesbar.

Gleichzeitig wird der Bestand konstruktiv und technisch an die neue Nutzung angepasst. Brandschutz und Fluchtwege werden erneuert, die Gebäudehülle energetisch ertüchtigt und die Fassaden- und Fensteranordnung für eine bessere natürliche Belichtung und Belüftung neu organisiert. Eine neue barrierefreie Erschließung schafft einen klaren und niveaugleichen Zugang zum Gebäude.

Vorhandene Strukturen, Raumvolumen und konstruktive Substanz werden weitergenutzt und gezielt ergänzt. So entsteht eine langfristig nutzbare Wohn- und Betreuungsstruktur, die die vorhandene Substanz erhält und für die neue Nutzung weiterentwickelt.

Housing First

Wohnen als Ausgangspunkt für soziale Integration

Das Centre Ulysse basiert auf dem Prinzip „Housing First“. Um mehr Privatheit, Selbstständigkeit und persönlichen Rückzugsraum zu schaffen, werden die Mehrbettzimmer durch individuelle Apartments mit eigenem Duschbad und Kitchenette ersetzt.

Gleichzeitig bleibt das individuelle Wohnen in eine gemeinschaftliche Struktur eingebunden. Im Erdgeschoss befinden sich öffentliche und administrative Bereiche, während die oberen Geschosse private Apartments mit Gemeinschafts- und Betreuungsbereichen kombinieren. Aufenthaltsbereiche mit Tageslicht sowie Räume für Kino, Yoga, Musik und kreative Aktivitäten schaffen Möglichkeiten für gemeinschaftliche Aktivitäten und Betreuung. Coffeepoints ergänzen die gemeinschaftlich genutzten Bereiche.

Eine klare Zonierung unterscheidet zwischen öffentlichen, gemeinschaftlichen, betreuenden und privaten Bereichen. So entstehen unterschiedliche Grade von Öffentlichkeit und Privatheit – vom offenen Eingangsbereich bis zum eigenen Apartment.

Haus im Haus

Vorgefertigte Holzmodule in der bestehenden Struktur

Die neue Wohnstruktur wird nach dem Prinzip „Haus im Haus“ in die bestehende Gebäudestruktur integriert. Die einzelnen Apartments entstehen als vorgefertigte Raummodule aus Holz und werden innerhalb des entkernten Bestandsgebäudes angeordnet.

 

Die Module werden weitgehend in einer Fabrikhalle vorgefertigt. Sanitärbereiche, Kitchenettes und maßgefertigte Einbaumöbel sind bereits Bestandteil der Einheiten. Für die Einbringung werden gezielt Bereiche der bestehenden Fassade geöffnet. Die fertigen Module werden per Kran in das Gebäude gehoben, an ihrem vorgesehenen Platz positioniert und anschließend nach dem Plug-and-Play-Prinzip an die neue technische Infrastruktur angeschlossen.

 

Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht eine präzise Herstellung und reduziert die Arbeiten vor Ort. Die Wiederholung baugleicher Module vereinfacht dabei Planung und Ausführung und schafft eine klar strukturierte neue Wohnordnung innerhalb des Bestands. Die neue Konstruktion bleibt dabei von der bestehenden Struktur ablesbar. 

 

EINZUG IN DAS BESTANDSGEBÄUDE

Für die Einbringung der vorgefertigten Holzmodule werden gezielt Bereiche der bestehenden Fassade geöffnet. Per Kran gelangen die fertigen Einheiten durch diese Öffnungen in das Bestandsgebäude und werden dort an ihrem vorgesehenen Standort positioniert. Das Prinzip ermöglicht eine flexible Organisation der Wohnstruktur und lässt unterschiedliche Anordnungen der Module innerhalb des Bestands zu.

VOM BESTAND ZUR NEUEN WOHNSTRUKTUR

Der Umbau folgt einem klaren Prozess – Bestand erhalten und entkernen, Räume neu ordnen, Wohnmodule vorfertigen und in das Gebäude einsetzen. Schritt für Schritt entsteht so innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens eine neue Form des Wohnens.

Projekt  
Centre Ulysse – Notunterkunft für Wohnungslose

Auftraggeber
Administration des bâtiments publics

Ort
L, Luxembourg-Bonnevoie

Planergruppe
FAT Architects S.à r.l.
DESA Ingénieurs-Conseils S.à r.l.

EnTec – Ingénieurs-Conseils génie technique S.à r.l.
ICONE Ingénieurs-Conseils S.à r.l.

IGNIS – Fire Design Consulting GmbH

Projektdaten
Konzept 2020 – 2023
Ausführung 09/2023 – 05/2026

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